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Online Handel

Online Handel

Mit dem Internet kam auch der Online-Handel recht schnell auf. Dieser hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Wie rasant zeigen einige Zahlen.

Immer häufiger lesen wir von Ladenschließungen in den Innenstädten, an einigen Stellen nehmen wir diese sogar selbst wahr. Gerade kleinere Innenstädte haben massiv mit der Händlerflucht zu kämpfen. Der Schuldige für das Geschäftssterben ist schnell ausgemacht – der Online Handel. Dass dies zu einfach und zu engstirnig gedacht ist, und dass der Online-Handel Chancen auch für den stationären Handel bieten kann, soll im Folgenden aufgezeigt werden.  Doch zunächst wollen wir einmal den Begriff einordnen. 

Definition von Online-Handel

Onlinehandel oder auch E-Commerce, Elektronischer Handel oder Internethandel genannt, umfasst alle Ein- und Verkaufsvorgänge mittels einer Datenfernübertragung. So weit so klar. Nahezu jeder ist schon einmal in Berührung mit dem Online Handel gekommen. Grundsätzlich umfasst dieser im weitesten Sinne jegliche Transaktionen zwischen Händler und Kunden bzw. Zwischenhändlern auf Grundlage des Internets. Online Handel umfasst dabei mehrere Felder. Vom „klassischen“ Onlineshop über digitale Marktplätze oder Auktionshäuser hinzu Verkaufsmöglichkeiten in Sozialen Medien. Wir wollen uns an späterer Stelle den einzelnen Verkaufsplattformen im Online-Handel widmen. Doch zunächst werfen wir einen Blick auf die Entwicklung des Online Handels. 

Online-Handel – eine Erfolgsgeschichte

Eine beeindruckende Erfolgsgeschichte die der Online Handel da schreibt. Lag der Umsatz im Jahr 2005 in Deutschland beim Online Handel noch bei 6,4 Mrd. Euro, liegt dieser 13 Jahre später, im Jahr 2018 bereits bei 53,4 Mrd. Euro. Tendenz weiter steigend. Mit Wachstumsraten von über zehn Prozent jährlich ist zurzeit noch kein Ende in Sicht. (vgl. Jürgen Kroder in B2C E-Commerce, 2018) Mittlerweile kaufen rund 90% der Deutschen mindestens einmal pro Jahr online ein. Über ein Drittel sogar mehrmals die Woche. Weltweit werden rund 1.500 Mrd. Euro online umgesetzt.

Werfen wir an dieser Stelle einen Blick auf die Geschichte des Internet-Handels. Wie konnte dieser so groß werden, was waren die Voraussetzungen, wer die Pioniere? Nun um letztere Frage direkt zu beantworten, die Pioniere des Internethandels sind heute noch Big-Player. Bereits im Juli 1995 starte Jeff Bezos die Seite Amazon.com und verkaufte darüber sein erstes Buch. Das war auch die Grundidee des Unternehmens, ein elektronischer Bücherladen. Bereits ein Jahr später erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 15,7 Millionen US-Dollar. Ein weiteres Jahr später dann schon einen Umsatz von 147,8 Millionen Dollar – und die Erfolgsgeschichte hält weiter an. (vgl. Gary Rivlin, in The New York Times vom 27. Juli 2012) 

Heutige Riesen entwickeln sich

Ebenfalls im Jahr 1995 ging eine weitere Plattform an den Start, von der heute auch wohl auch der letzte Mensch mit Internetzugang schon gehört haben dürfte: eBay. Eine nicht minder erfolgreiche Erfolgsgeschichte, wenngleich die Konzepte der beiden Riesen sich durchaus voneinander unterscheiden. eBay wurde als Auktionshaus geführt indem private Kunden via Auktion gebrauchte Artikel veräußern konnten. Nach und nach traten immer mehr Händler auf den Plan und boten hier ebenfalls ihre Produkte neuwertig und zu Festpreisen an. Ein Jahr später, 1996 startet die Deutsche Bank „E-Cash“ und versucht so ein elektronisches Bezahlverfahren zu etablieren.

Das Interesse war zu der Zeit jedoch so gering, dass man 2001 das Projekt wieder einstampfte. Im Jahr 1997 ging dann mit Tschibo ein deutscher Händler ins Internet und konnte sich bis heute auf einen Umsatz von ca. 450 Mio. Euro steigern, was ihm Platz 11 im Ranking der umsatzstärksten Onlineshops in Deutschland beschert. (vgl. Statista/EHI – E-Commerce Markt in Deutschland 2018) Im darauffolgenden Jahr, 1998 ging Amazon.de an den Start und konnte sich bis heute deutlich von der Konkurrenz der Online-Händler absetzen und ist mit einem Umsatz von 8,8 Mrd. Euro im Jahr 2017 einsamer Anführer des Rankings.

Im neuen Jahrtausend tritt dann auch der Versandhändler Otto im Internet auf und macht rund 120 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2000. Mittlerweile konnte sich otto.de als klare Nummer zwei der Online-Shops mit einem Umsatz von knapp 3 Mrd. Euro in Deutschland etablieren. Im selben Jahr begann dann auch die Dotcom-Blase allmählich zu platzen und viel vielversprechende Seiten meldeten in 2000/01 Konkurs an. 

Ein Zug der sich nicht stoppen lässt

Doch dem E-Commerce tat dies keinen Abbruch. Machen wir einen Sprung in das Jahr 2007. Der E-Commerce wächst mittlerweile jährlich um 33% und der Einfluss des Online-Handels wächst stetig. Zeitgleich bringt Apple das erste iPhone auf den Markt und läutet somit eine neue Generation im Online-Handel ein – dem mobile-Business. Ein Jahr später startet Zalando seinen Online-Shop für Mode und vor allem Schuhe. Zalando wächst so schnell, dass der Druck auf die Mode-Einzelhändler direkt spürbar und sichtbar ist.

Der klassische stationäre Modehandel wurde vom Online-Handel hart getroffen. In den Folgejahren werden die Kunden immer anspruchsvoller und Kundenmeinungen für die Händler gewinnen mehr und mehr an Gewicht. Optimierte Payment- und Multi-Channel-Strategien werden immer wichtiger. Im Jahr 2015 finden wir uns in einer Welt wieder, in der der stationäre Laden zum Dienstleistungsort für den Online-Handel geworden ist. (vgl. Lead Digital, Sonderheft 2015) 

Formen des Online-Handels

Widmen wir uns an dieser Stelle einmal den vielen verschiedenen Formen des Online-Handels. Vorweg, wir konzentrieren und in diesem Artikel wie eingangs schon erwähnt auf den B2C-Markt und lassen die diversen B2B-Formen an dieser Stelle außen vor. Es lässt sich im Allgemeinen nicht mehr einfach von Online-Handel im Allgemeinen sprechen. Verschiedene Formen des Handels vermischen sich zunehmend und dynamisieren die gesamte Branche stetig. Grundsätzlich lassen sich fünf wesentliche Betriebstypen des Online-Handels ausmachen. 

Pure Online-Handel

Die reinen Online-Händler, also jene Unternehmen die ihre Produkte ausschließlich Online vertreiben, machen den größten Teil des Online-Handels insgesamt aus. Mit rund 35% Marktanteil tummeln sich hier wenige große und sehr viele kleine, hochspezialisierte Händler. In diesen Bereich fallen beispielsweise Zalando, Amazon, oder auch Redcoon oder Hutshopping.de (vgl. eWeb research center 2016b bevh 2016) 

Kooperative Online-Handel

Der kooperative Online-Handel besteht aus vielen Händlern, die über ein Portal ihr Ware anbieten. Oftmals handelt es sich dabei um Branchenlösungen etwa schuhe.de oder euronics.de, aber auch der Amazon Marketplace oder eBay fallen in diese Kategorie. 

Hybrider Online-Handel

Unter hybriden Online-Händler versteht man jene „Distanz“-Händler, die neben Online-Handel auch den Vertrieb über Katalog betreiben. Klassischerweise sind die die Kataloghändler vom Kataloggeschäft abhängig und können dieser nicht entkommen. Das Online-Geschäft existiert neben dem klassischen Katalogversand.  

Multichannel-Handel

Hier finden sich Online-Händler in Kombination mit stationären Geschäften. Ob Thalia, Douglas, Media Markt, Saturn oder Lidl, in diesem Feld tummeln sich viele große Namen und ein hohes Wachstumspotential, da auch immer mehr kleine Läden ihr Angebot online unterbreiten. 

Vertikaler Handel

In dieser geschlossenen Hersteller-Händler-Kombination finden sich Hersteller wieder, die ihre Produkte über eigene Shops vertreiben, wie etwas Nike, Boss, IKEA oder Zara. Dadurch, dass der Einzelhandel immer weniger abhängig von einzelnen Herstellern ist, etablieren diese zunehmend ihre eigenen Shops. 

Darüber hinaus finden sich heute noch diverse andere Sonderformen die im weitesten Sinne eben auch zum Online-Handel gehören. Auch Streamingdienste wie Netflix und Spotify verkaufen im Prinzip ihre Leistungen Online. (vgl. ebd.) Nachdem wir nun einen Blick auf die verschiedenen Formen des Online-Handels geworfen haben, interessiert uns nun, wie ERP-Systeme in diesem Feld arbeiten und was diese im Stand zu leisten sind. 

ERP-Systeme helfen im eCommerce

Wie zuvor aufgezeigt, kommt es immer darauf an, welche Form des Online-Handels ein Unternehmen betreibt. ERP-Systeme mit einem integrierten Omni-Channel Vertrieb, ermöglichen es Händlern auf verschiedenen elektronischen Marktplätzen gleichzeitig ihre Produkte zu vertreiben. Dabei sind die größten Plattformen bereits in das System integriert.

Man pflegt einen Artikel nur einmalig ein und dieser wird auf verschiedenen Plattformen automatisch eingestellt. Dank des automatisierten Bestellprozesses, läuft alles in nur einem ERP-System zusammen und kann dort verwaltet werden. Ebenso werden Preise und Bestände automatisch synchronisiert und eine zentrale Stammdatenpflege ermöglicht. Ebenso sind die Systeme Multi-Varianten-fähig und selbst der Import der Artikeldaten per CSV ist einfach möglich. Auch der Bildimport mit automatischer Zuweisung zu den Artikeln erspart eine Menge Arbeit. Letztlich ist eine komplette Vertriebssteuerung in nur einem System möglich. 

Verfügt ein Unternehmen über einen eigenen Online-Shop oder möchte diesen aufbauen, können ERP-Systeme ebenfalls dabei unterstützen. So bieten sie Schnittstellen zu diversen Online-Shop-Systemen, synchronisieren sämtliche Artikel, Beschreibungen, Bestände usw. auf allen Shops die bespielt werden sollen und geben automatische Preis- und Bestandupdates. Darüber hinaus leisten diese Systeme alles, was die auch auf den anderen Plattformen zu leisten im Stande sind. 

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Kassenanbindung am Point of Sale. Gibt es einen stationären Laden und zusätzlich einen Online-Shop wird die Frage des Bestandes deutlich wichtiger. Dieser sollte in Echtzeit synchronisiert sein. Ebenso kann durch die Anbindung von Kassen auch eine Rücknahme eines Artikels im Laden erfolgen, auch wenn dieser zuvor Online gekauft wurde. Gutscheine lassen sich online erstellen und im Laden problemlos einlösen und auch die Buchhaltung ist in das Kassensystem integriert. 

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