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9 Bestandteile jeder erfolgreichen Bauplanung

Eine ausgiebige ERP-gestützte Bauplanung legt den Grundstein jedes erfolgreichen Bauvorhabens. Warum, lesen Sie hier.

Das Baugewerbe ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Deutschlands. Laut Statista hat es einen Anteil von 5,3% an der gesamten Bruttowertschöpfung. 

Mit einem Jahresumsatz von 135 Milliarden Euro und deutschlandweit 856.000 Beschäftigten ist die Relevanz des Baugewerbes nicht abzustreiten (vgl. de.statista.com, „Statistiken zum Baugewerbe“). 

Inhaltsverzeichnis

Die Rolle der Bauplanung

Wer bauen möchte, muss sich früher oder später mit dem Thema Bauplanung auseinandersetzen. 
Sie beschreibt den Vorgang der gedanklichen Entwicklung und Gestaltung des Bauvorhabens. In Form von Architektur- und Bauzeichnungen werden diese Überlegungen dann festgehalten. 

Obwohl es sich bei der Bauplanung um den ersten Abschnitt des Bauprozesses handelt, wird sie auch während der eigentlichen Bauausführung weitergeführt. In Deutschland ist die Bauplanung Voraussetzung für den Erhalt einer Baugenehmigung. 

Die Leistungsphasen der Bauplanung nach HOAI

Tatsächlich setzt sich die Bauplanung aus neun definierten Leistungsphasen zusammen, welche von Architekten und Ingenieuren erbracht werden. Diese werden nach der Honorarordnung für Architekten- und Ingenieure (HOAI) fest definiert. 

Jede der neun Phasen wird anteilig ein bestimmter Prozentsatz des Gesamthonorars zugesprochen. Wie diese Phasen im Detail aussehen und wie sie sich in der Praxis realisieren lassen, soll im Folgenden näher aufgegriffen werden. 

1 - Grundlagenermittlung und -planung in der Baubranche

Mit der Grundlagenermittlung beginnt die Bauplanung. Nachdem eine Baufirma mit der Planung beauftragt wurde, müssen zunächst die Rahmenbedingungen mit dem Auftraggeber bzw. dem Bauherrn besprochen werden. Dazu zählt zunächst die Definition der genauen Aufgabenstellung. 

Definition der Aufgabe

Der Bauherr äußert seine Vorstellungen und Wünsche sowie konkrete Anforderungen gegenüber der beauftragten Baufirma. Diese kann den Bauherrn bezüglich des gesamten Leistungsbedarfs beraten und zudem wirtschaftliche Rahmenbedingungen - wie das Budget - abklären. 

Ortsbesichtigung mit Baugrundprüfung

Üblich ist im Rahmen der Grundlagenermittlung auch eine erste Ortsbesichtigung durch den Bauherrn und den Planer bzw. die Baufirma. Bei dieser Besichtigung hat die Baufirma die Möglichkeit, den Baugrund zu prüfen. Mögliche Besonderheiten können an dieser Stelle vermerkt und in der weiteren Planung berücksichtigt werden. 

Wer ist an der Planung beteiligt?

Je nach Ergebnis der Baugrundprüfung und Aufgabenstellung kann es dazu kommen, dass weitere Parteien fachlich oder ressourcenbedingt zu Rate gezogen werden müssen. Zum Leistungsumfang des Planers zählt daher auch die Formulierung von Entscheidungshilfen für die Auswahl anderer an der Planung beteiligter Parteien. 

Die Grundlagenermittlung endet mit einer konkreten Zusammenfassung der Ergebnisse.  

2 – Die Rolle der Vorplanung

Die Vorplanung baut auf der Grundlagenermittlung auf. In diesem Schritt werden Ansätze aus dem vorhergehenden Schritt konkretisiert. 

Informationen bezüglich des Baugrunds einholen

Sollte im Rahmen der Grundlagenermittlung noch keine Baugrundprüfung stattgefunden haben, geschieht dies nun im Rahmen der Vorplanung. 

Planungskonzept erstellen

Auf Basis der Baugrundprüfung wird nun ein Planungskonzept erstellt. Hier spielen vor allem Gestaltung, Struktur und verwendete Materialien eine Rolle. 

An dieser Stelle kann sich durchaus verdeutlichen, dass das Bauherrn in Auftrag gegebenen Bauvorhaben in der gewünschten Form nicht umsetzbar ist. Sollte dies der Fall sein, werden von der Baufirma Alternativen aufgezeigt und mit dem Bauherrn besprochen. 

Erste, vorläufige Schätzung der Kosten

Zu guter Letzt wird eine erste Schätzung der Kosten seitens der Baufirma vorgenommen. In dieser Phase können die ermittelten Kosten noch beträchtlich von den späteren tatsächlichen Kosten abweichen. 
Tatsächlich ist es üblich, dass die Abweichung bis zu +/- 30% der späteren Kostenfeststellung betragen kann. Doch in dieser Phase ist auch die Beeinflussbarkeit der Kosten noch wesentlichen höher als in späteren Schritten. 

Kostengruppen gemäß DIN 276

Von der ersten Schätzung über die Berechnung und den Anschlag bis hin zur Kostenfeststellung erfolgen in der Baubranche alle Ermittlungen gemäß DIN 276. Diese DIN-Norm gliedert Kosten in zusammenhängende Kostengruppen: 

  • Grundstück (wie den Grundstückswert)
  • Vorbereitende Maßnahmen (wie die Erschließung)
  • Bauwerk – Baukonstruktionen (wie Dächer, Decken)
  • Bauwerk - Technische Anlagen (wie Wasser, Gas)
  • Außenanlagen und Freiflächen (wie Wasser- oder Vegetationsflächen)
  • Ausstattung und Kunstwerke (wie allgemeine, IT oder künstlerische Ausstattung)
  • Baunebenkosten (wie die Fachplanung oder künstlerische Leistungen)
  • Finanzierung (wie Eigen- oder Fremdkapital) 

ERP-Systeme erleichtern die Vorplanung

Es wird deutlich, dass es sich bei der Kostenschätzung durchaus um eine strukturierte, erste Ermittlung der potenziellen Kosten und keineswegs um einen blinden Schätzwert handelt. 

Auf den Bau spezialisierte ERP-Systeme verfügen über eine Vielzahl an Funktionen, die die Vorplanung erheblich erleichtern. Konkret kommen hier vor allem CAD-Programme zum Einsatz. Deren Funktionsweise wird im Folgenden erläutert. 

Was sind CAD-Programme?

CAD ist die Abkürzung für Computer Aided Design bzw. rechnerunterstütztes Konstruieren. Wie der Name bereits suggeriert handelt es sich um die softwaregestützte Erstellung virtueller Modelle von Bauwerken oder anderen Objekten. Diese Modelle enthalten wichtige Informationen, die für die Herstellung bzw. in diesem Fall für den Bau des tatsächlichen Endproduktes benötigt werden. 

Das CAD soll dem Konstrukteur oder der Baufirma Routinetätigkeiten wie das Bemaßen erleichtern oder vollständig abnehmen.  Dabei sind viele verschiedene Arten der Modellierung möglich. 

Von der 2D- über die 3D- bin hin zur Baugruppenmodellierung bieten CAD-Programme ein breites Leistungsprofil. Aus diesem Grund beinhalten ERP-Systeme für den Bau oftmals standardisiert eine entsprechende Anbindung. 

3 - Entwurfsplanung in der Baubranche

Die Entwurfsplanung konkretisiert die Informationen, welche sich aus der Vorplanung ergeben haben. Dazu zählt unter anderem die Anfertigung einer Bauzeichnung.

Anfertigung einer Bauzeichnung

Die Bauzeichnung wird meist über die bereits beschriebene CAD-Lösung umgesetzt. Gängiger Weise handelt es sich um eine detaillierte, technische Zeichnung im Maßstab 1:100 inklusive Beschreibung.

Berechnungen

Kontinuierliche Berechnungen sind Teil einer jeden Bauplanung. Die im Zuge der Entwurfsplanung durchgeführte Kostenberechnung erfolgt ebenfalls wieder nach DIN 276. Hinzu kommen konkrete Berechnungen der Umsetzbarkeit, da entsprechende Nachweise für den Erhalt einer Baugenehmigung erbracht werden müssen. 

4 – Die Baubranche und ihre umfangreiche Genehmigungsplanung

Sie wollen Ihr Traumhaus bauen und haben sich gemeinsam mit dem Planer umfangreich mit dem Entwurf auseinander gesetzt. Es entstand ein dreidimensionales Modell Ihres Wunschobjektes, welches in der Umsetzung auch im Rahmen Ihres Budgets liegt. 

Nun hat die Einholung einer Baugenehmigung für Sie höchste Priorität – Denn ohne Baugenehmigung kein Bauvorhaben. In einem bürokratischen Staat wie Deutschland sollte der mit dieser Phase verbundene Aufwand keineswegs unterschätzt werden. 

Neben den statischen Berechnungen für den Erhalt eines Sicherheitsnachweises muss noch eine Vielzahl weiterer Dokumente und Unterlagen für den langersehnten Erhalt einer Baugenehmigung eingereicht werden. Dazu zählen: 

  • Das Bauantragsformular selbst
  • Die in der Entwurfsplanung angefertigte Baubeschreibung 
  • Die in der Vor- und Entwurfsplanung angefertigten Grundrisse, Schnitte und Ansichten im Maßstab 1:100
  • Ein statischer Erhebungsbogen 
  • Ein amtlicher Lageplan 
  • Ein Nachweis über den Wärmeschutz

Je nach Bauvorhaben oder Bedarf können weitere Nachweise erbracht werden müssen. Sie sollten sich also darauf einstellen, dass die Genehmigungsplanung etwas Zeit in Anspruch nimmt. 

Wurden jedoch benötigte Unterlagen in den vorangegangenen Phasen der Bauplanung ordnungsgemäß angelegt, kann dies den Aufwand in der Genehmigungsplanung maßgeblich reduzieren. Aus diesem Grund sollten Sie nicht an adäquaten ERP-Systemen sparen, die Sie während des gesamten Prozesses unterstützen. 

5 - Die Ausführungsplanung

Im Rahmen der Ausführungsplanung werden von Architekten bzw. Ingenieuren Ausführungspläne erstellt. Hierbei handelt es sich um Baupläne im Maßstab 1:50. Detailzeichnungen werden im Maßstab 1:1 bis hin zu 1:20 angefertigt. Zudem wird eine detaillierte Projektbeschreibung erstellt. 

Ausführungsplanung im ERP-System

In der Planung setzen Unternehmen zunehmend auf den Einsatz einer Cloud-basierten ERP-Lösungen mit BIM Anbindung. Im Gegensatz zu CAD ist BIM - Building Information Modelling bzw. Bauwerksdatenmodellierung - speziell auf die Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden ausgerichtet. 

Es handelt sich also um weitaus mehr als eine Software zur digitalen Modellierung. Dies heißt jedoch nicht, dass von entsprechend integrierten, leistungsstarken CAD-Anwendungen abzuraten ist. 

Die Rolle von Cloud-basierten ERP-Systemen

Durch die Cloud-basierte ERP Integration arbeiten alle Akteure mit dem selben Modell. Dies ist in der Baubranche von besonderer Bedeutung, da das Handeln einen Akteurs Auswirkungen auf den nächsten Arbeitsschritt eines anderen hat. 

Durch ein zentrales BIM werden Arbeitsschritte wesentlich transparenter gestaltet. Trifft beispielsweise der Statiker die Entscheidung, dass eine bestimmte Säule aus Stabilitätsgründen bereiter werden muss, könnte dies den Verlauf einer Leitung verschieben. 

Somit entfällt auch der Aufwand, einzelne Planungsstände dem Rest des Teams zu kommunizieren da Änderungen sofort im System einsehbar sind. 

6 - Vergabeplanung in der Baubranche

Im Rahmen der Vergabeplanung findet sämtliche Vorbereitung auf die bevorstehende Vergabe statt. Diese setzt sich aus der Mengenermittlung und Erstellung von Leistungsverzeichnissen, sowie der Anfertigung von Ausschreibungstexten und Kalkulationsdaten zusammen. 

Erstellung von Leistungsverzeichnissen und Mengenermittlung

Damit die Vergabe reibungslos und zeitgemäß ablaufen kann, muss zunächst ein Vergabeterminplan erstellt werden. Zudem müssen Leistungsverzeichnisse aufgestellt werden, anhand derer die Kosten ermittelt werden. 

Grundlage für die Erstellung dieser Verzeichnisse ist die im Rahmen der Ausführungsplanung erstellte Mengenermittlung. Sind die Kosten ermittelt, werden diese zur Kostenkontrolle mit den ursprünglich berechneten Kosten verglichen. 

Für die Erstellung von Leistungsverzeichnissen für potenzielle Partner greifen viele auf spezialisierte ERP-Software für Architekten und Planer. Diese unterstützt die bei der Erstellung rechtkonformer Vertragsbedingungen.

Ausschreibungstexte und Kalkulationsdaten anfertigen

Kalkulationsdaten und Ausschreibungstexte werden bei sämtlichen Bauvorhaben benötigt – Unabhängig davon, ob es sich einen Neu- oder Umbau oder einer Sanierung handelt. Auch an dieser Stelle können entsprechende ERP-Systeme Abhilfe schaffen. 

Branchenspezifische ERP-Systeme enthalten im Idealfall bereits Vorlagen für aktuelle, rechtskonforme Ausschreibungstexte nach Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – kurz VOB. Ist dies erledigt, kann das Projekt offiziell ausgeschrieben werden. 

7 – Die langersehnte Vergabe

Es ist so weit. Das Projekt wird an die auserwählte Baufirma übergeben. In dieser Phase werden zunächst Angebote potenzieller Partner eingeholt werden. Anhand dieser wird ein entsprechender Preisspiegel nach Teilleistungen erstellt. 

Eingehende Angebote werden gewertet und es kommt zu Verhandlungen mit Bietern bzw. potenziellen Partnern. Nun wird auch der bereits erwähnte Kostenanschlag nach DIN 276 erstellt. Dieser setzt sich aus Einheits- und Pauschalpreisen der Angebote zusammen. Zu guter Letzt kommt es zur Auftragserteilung beim auserwählten Unternehmen. 

8 – Die Bauüberwachung

Mit der finalen vergabe endet die Bauplanung und somit die Aufgabe des zuständigen Architekten bzw. Ingenieurs keineswegs. Viele Architekten und Ingenieure unterschätzen das bestehende Haftungsrisiko ihrerseits im Rahmen der Kontrolle der Bauleistungen und der zeitlichen Koordination der Baumaßnahmen. 

Der Zeitplan muss eingehalten werden

Zu den Aufgaben in der Bauüberwachung stellt zunächst die Aufstellung eines Zeitplans in Übereinstimmung mit der Planung und den erstellten Leistungsverzeichnissen. Dieser Zeitplan muss regelmäßig kontrolliert werden, um eventuelle Verzögerungen frühzeitig zu erkennen und abzuwenden.

Auch die Kosten müssen regelmäßig kontrolliert werden, um eventuelle Abweichungen vom Plan zu vermeiden. Hierzu zählt auch eine ordnungsgemäße Rechnungsprüfung der eingehenden Rechnungen der Baufirma. Hinzu kommen ebenso: 

  • Die Prüfung und Erfassung von Nachträgen 
  • Identifizierung von Mängeln und deren Beseitigung 
  • Material- und Qualitätskontrolle 

Gezielte Bauüberwachung mittels ERP

BIM- Modelle erleichtern die Bauüberwachung maßgeblich. Zwischenabnahmen seitens der verantwortlichen Architekten oder Ingenieure werden Teil des BIM-Modells. So kann der gesamte Bauablauf auch rückwirkend visualisiert werden. 

Bei einzelnen Zwischenabnahmen werden ausgeführte Elemente direkt im Modell markiert und Teilmengen bzw. Kosten automatisch ermittelt. So spart der Einsatz von Building Information Modellen wertvolle Ressourcen ein, welche an anderer Stelle eingesetzt werden können. 

9 – Der letzte Schritt: Objektbetreuung und Dokumentation

Die Objektbetreuung und ordnungsgemäße Dokumentation stellen den letzten Schritt der Bauplanung dar. 

Objektbetreuung

Im Rahmen dieser Phase wird eine abschließende Objektbegehung durchgeführt, im Rahmen derer potenzielle Mängel festgestellt werden. Dies muss in jedem Fall vor Ablauf der Verjährungsfrist geschehen, da sie anderenfalls nicht reklamiert werden können. 

Sollten Mängel gefunden werden, muss deren Beseitigung überwacht werden. Zudem muss bei der Freigabe von Sicherheitsleistungen mitgewirkt werden. 

Dokumentation

Zu guter Letzt werden alle rechnerischen Ergebnisse und zeichnerischen Darstellungen des Objektes systematisch zusammengestellt. Hierfür können die in der BIM-Anwendung gepflegten Daten in Anspruch genommen werden. An dieser Stelle profitieren Unternehmen auch von der Anbindung an ein entsprechendes DMS

Fazit: Moderne ERP-Systeme erleichtern die Bauplanung

Zusammenfassend kann die Bauplanung durch moderne, branchenspezifische ERP-Systeme maßgeblich erleichtert werden. Architekten und Ingenieure können dabei auf integrierte CAD- und BIM- Anbindungen zurückgreifen, welche Kalkulationen eigenständig durchführen können und so wertvolle Zeit sparen. 

Durch Cloud-basierte ERP-Systeme wird zudem während jeder Planungsphase ein transparenter Informationsaustausch gewährleistet. So ist sichergestellt, dass alle Akteure zu jeder Zeit am selben Strang ziehen. 

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