7 wichtige ERP-Funktionen für die Produktion

7 wichtige ERP-Funktionen für die Produktion

Erfahren Sie, über welche Funktionen ein in die ERP-Software integriertes Produktionsmodul in jedem Fall verfügen sollte.

Der ERP-Markt ist überaus vielfältig, so dass sich für jedes Unternehmen eine geeignete ERP-Software zu finden ist. Dabei können die Anforderungen an eine adäquate Software zwischen den Unternehmen stark variieren. So benötigen beispielsweise produzierende Unternehmen entsprechende Fertigungsmodule, welche über Funktionen zur Unterstützung ihrer Produktionsprozesse verfügen. 

An dieser Stellen wollen wir uns daher einmal näher mit Produktionsmodulen als Bestandteil einer vollständig integrierten ERP-Software auseinandersetzen und aufzeigen, über welche Funktionen diese in der Regel verfügen. 

Inhaltsverzeichnis

Was ist ERP? Eine Definition

Die Abkürzung „ERP“ bezeichnet das Enterprise-Resource-Planning bzw. die Geschäftsressourcenplanung. Hierbei handelt es sich um die fundamentale unternehmerische Aufgabe, alle geschäftsrelevanten Ressourcen im Unternehmen zur richtigen Zeit in benötigter Qualität und Menge an richtiger Stelle mit den richtigen Informationen bereitzustellen. 

Zur Erfüllung dieser Aufgabe bedarf es einer Vielzahl teils komplexer und aufeinander aufbauender Prozesse. 

Die Rolle der ERP-Software

Diese lassen sich im Zeitalter der digitalen Transformation softwareseitig abbilden. ERP-Software ist in der Lage, ein digitales Abbild des gesamten Unternehmens mit all seinen Prozessen zu schaffen. Diese lassen sich dann innerhalb des Systems 

  • Verwalten 
  • Steuern 
  • Verschlanken 
  • Optimieren 
  • Automatisieren

Unternehmen gelingt es auf diese Weise, optimierungsbedürftige Prozesse zu identifizieren und fundierte Maßnahmen zu deren Verbesserung zu treffen. Dies kann ultimativ maßgeblich zum Wettbewerbsvorteil für das jeweilige Unternehmen werden. Denn durch den effizienteren Einsatz wertvoller Ressourcen werden diese nicht länger für administrative Zwecke benötigt, sondern können stattdessen gewinnbringend eingesetzt werden. 

Dies ist auch in der Produktion der Fall. Damit ein produzierendes Unternehmen jedoch von den Vorteilen einer ERP-Software profitieren kann, muss diese über entsprechende Produktionsmodule und -funktionen verfügen. Bevor wir uns dieser jedoch im Detail annehmen, sollten zunächst die Anforderungen der Produktion einmal näher beleuchtet werden. 

Diskrete Fertigung vs. Prozessfertigung

Tatsächlich ist die Bezeichnung „Produktion“ eine Verallgemeinerung, hinter der sich mehrere Fachgebiete und Spezialisierungen verstecken. Zunächst sollte eine klare Abgrenzung zwischen der diskreten Fertigung und der Prozessfertigung vorgenommen werden. 

Diskrete Fertigung

In der diskreten Fertigung handelt es sich bei den Produktionsmitteln um zählbare Einheiten und klar voneinander abzugrenzende Teile. Innerhalb der diskreten Fertigung sollte ferner zwischen 

  • Einzelfertigung 
  • Serienfertigung 
  • Sortenfertigung / Variantenfertigung
  • Massenfertigung
  • Differenziert werden. 

Ein Beispiel für Unternehmen der diskreten Fertigung sind Automobilhersteller. 

Prozessfertigung 

Im Gegensatz zur diskreten Fertigung werden in der Prozessfertigung keine zählbaren Einheiten verarbeitet. Stattdessen handelt es sich bei den Produktionsmitteln beispielsweise um 

  • Flüssigkeiten
  • Gase
  • Gemische
  • Granulate

Unternehmen der Prozessfertigung sind häufig der Lebensmittelbranche, Kosmetik- oder Pharmaindustrie oder auch Chemie Industrie zuzuordnen. 
Es wird deutlich, dass sich aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtungen auch die Anforderungen an eine geeignete ERP-Software nicht grundsätzlich verallgemeinern lassen. Dennoch gibt es fundamentale Funktionen, von denen die Mehrheit der in der Produktion tätigen Unternehmen profitiert. Diese werden im Folgenden einmal näher aufgegriffen. 

Funktion 1: PDM

Das Akronym „PDM“ steht für den englischen Begriff product data management. Das Produktdatenmanagement verwaltet alle Informationen zu Produktionsmitteln. Diese Informationen werden vom System in nachgelagerten Phasen dem Produktionszyklus zur Verfügung gestellt. 

Obwohl Produktdatenmanagement-Systeme über einen eigenen, charakterlichen Funktionsumfang verfügen, sollten sie keinesfalls als monolithische Software verstanden werden. Vielmehr handelt es sich um ein Spektrum an Funktionen, welches dem Produktionsmodul einer ganzheitlich-integrierten ERP-Software unterzuordnen ist. 

Funktion 2: CAD-Anbindung

„CAD“ bezeichnet computer aided design oder rechnerunterstütztes Konstruieren. CAD-Anwendungen kommen überwiegend im Bereich der diskreten Fertigung oder in der Baubranche zum Einsatz. So lassen sich beispielsweise einzelne Bauteile digital entwerfen und können dann dreidimensional im System betrachtet werden. 

Die Visualisierung dient dem besseren Verständnis eines gewissen Teils und kann beispielsweise zu Präsentations- oder Werbezwecken eingesetzt werden. Die weiteren Funktionalitäten des CAD zielen überwiegend darauf ab, Konstrukteuren repetitive bzw. Routinearbeiten wie das Schraffieren einer bestimmten Fläche zu erleichtern oder in Gänze abzunehmen.

Funktion 3: PPS

Produktionsplanungs- und Steuerungssysteme (PPS) werden zur gezielten, gleichmäßigen, wirtschaftlichen Auslastung von Betriebsmitteln eingesetzt. Ferner dienen sie 

  • der Termineinhaltung  
  • der Realisierung kurzer Durchlaufzeiten 
  • Optimierung der Bestandshöhen

PPS im ERP-System

ERP-Systeme ergänzen diese Planung sowohl um personelle als auch finanzielle Ressourcen. Eine Integration beider Systeme ist daher unabdingbar für eine effiziente Prozessplanung in der Produktion. 

Funktion 4: APS

Eine allgemein anerkannte Definition von Advanced Planning and Scheduling-Systemen (APS) existiert zurzeit nicht. Grundsätzlich nehmen APS-Systeme jedoch eine unterstützende Funktion des ERP- und PPS-Systems ein. Ziel eines APS-Systems ist es, das Durchlaufzeitsyndrom zu reduzieren. 

Fine Capacity Scheduling

Sogenannte FCS-Module sind den APS-Systemen unterzuordnen. Sie dienen der simultanen Planung von Ressourcen wie 

  • Material 
  • Werkezeugen 
  • Personal 
  • Maschinen
  • Sowie der Berechnung von Produktionsstartterminen.   

Funktion 5: Materialwirtschaft

Die Materialwirtschaft ist eine der grundlegendsten Funktionen von ERP-Software. Tatsächlich bestand die Aufgabe der ersten ERP-Systeme, welche damals noch als MRP-Systeme bezeichnet wurden, in der Materialressourcenplanung. Obwohl der Funktionsumfang heutiger ERP-Software weit über den ihrer Vorgänger hinausgeht, ist die Materialwirtschaft nach wie vor eine zentrale Aufgabe der Geschäftsressourcenplanung und somit auch von ERP-Software. 

Die Funktion der Materialwirtschaft besteht darin, die Produktion mit allen notwendigen Materialien zu versorgen. Sie umschließt also von der Beschaffung bis zur Lagerverwaltung sämtliche elementaren Geschäftsprozesse. 

Materialwirtschaft mit der ERP-Software

Besonders in der Fertigung spielt die Just-In-Time-Belieferung eine große Rolle. Diese Form der Belieferung zeichnet sich nicht nur durch Besonderheiten in der Auslieferung aus, sondern hat Einfluss auf den gesamten Materialfluss. 

Um ein Just-In-Time-Modell aufrecht zu erhalten, bedarf es einer strategischen Prozessgestaltung in allen Bereichen der Materialwirtschaft. Eine geeignete ERP-Software unterstützt Unternehmen dabei. So kann sie beispielsweise im Bereich der Beschaffung Bestellvorschläge für den Wareneinkauf automatisiert erstellen und gegebenenfalls auch auslösen. 

Funktion 6: EDI

Kein Unternehmen operiert isoliert. Besonders produzierende Unternehmen sind Teil zunehmend komplexer Lieferketten, die sich über den gesamten Globus erstrecken. Um Problematiken wie Engpässe zu vermeiden, bedarf es einer effizienten Kommunikation bzw. einem schnellen Informationsaustausch zwischen allen beteiligten Akteuren der Lieferkette. An dieser Stelle kommt EDI ins Spiel. 

„EDI“ bezeichnet Electronic Data Interchange bzw. zu Deutsch den elektronischen Datenaustausch. Hierbei handelt es sich um einen Sammelbegriff für einen Austausch von Daten und Informationen innerhalb der elektronischen Datenverarbeitung (EDV). 

Der Stellenwert einheitlicher Standards

Um Prozesse des Informationsaustausches effizient abwickeln zu können, müssen Informationen und Daten für alle Parteien unmissverständlich zu verarbeiten sein. Dies wird durch entsprechende Standardisierungen, die sogenannten EDI-Standards, erzielt. Damit Daten zwischen zwei Parteien übermittelt werden können, müssen sich diese untereinander auf die Verwendung eines Standards einigen. 

Beispiele für EDI-Standards

Weltweit gibt es diverse EDI-Standards. Dabei ist das am häufigsten verwendete Format eine UN/EDIFACT-Nachricht – der EDI-Standard der Vereinten Nationen. Einheitliche Standards sind zudem innerhalb derselben Branche üblich. So verwendet die europäische Automobilindustrie beispielsweise ODETTE.

Bei den Empfängern der über EDI übermittelten Informationen handelt es sich nicht um Mitarbeiter, sondern Systeme wie PPS oder ERP-Software. Der Übermittlungsprozess kann dabei weitestgehend automatisiert abgewickelt werden. 

Just-In-Time-Belieferung durch EDI

Durch den einheitlichen Austausch zwischen zwei Systemen werden Medienbrüche vermieden, der manuelle Aufwand auf ein Minimum beschränkt und Fehlerquellen reduziert. Im Idealfall sind übermittelte Daten so in korrekter Form in Echtzeit verfügbar: Eine wesentliche Voraussetzung für eine zuverlässige Just-In-Time-Belieferung. 

Funktion 7: Rezepturverwaltung

Einer Rezepturverwaltung bedarf es vor allem in der prozessorientierten Fertigung, wobei einige Systeme entsprechende Module mit Funktionen der Produktentwicklung kombinieren. 

Ziel der Rezepturverwaltung 

Ziel einer ERP-gestützten Rezepturverwaltung ist unter anderem eine Verkürzung der Entwicklungszeit, da zu jeder Zeit während des Produktionsprozesses auf alle vorhandenen Rezepturen zugegriffen werden kann. Doch auch die Einhaltung gesetzlicher Auflagen spielt einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert. 

Bei gesetzlichen Änderungen können diese Informationen schnell über das System bereitgestellt werden, sodass das Unternehmen zeitnah entsprechende Maßnahmen ergreifen kann. 

Fazit: Grundlegende Produktionsfunktionen als Bestandteil der ERP-Software

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass es viele ERP-Funktionen zur Optimierung der Produktionsprozesse gibt. 
Dazu zählen:

  • PDM
  • CAD-Anbindung
  • PPS
  • APS
  • Materialwirtschaft
  • EDI
  • Rezepturverwaltung 

Abhängig vom jeweiligen Unternehmen werden zudem einzelne, spezialisierte Module oder eine Kombination aus standardisierten Modulen und Funktionen benötigt. 

Durch eine ganzheitlich-integrierte ERP-Software lassen sich letztlich alle Produktionsprozesse eines Unternehmens zentral an einem Ort verwalten.  

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