3 Anforderungen an ERP-Software für die Lebensmittelbranche

Erfahren Sie hier, über welche Eigenschaften adäquate ERP-Software für die Lebensmittelindustrie verfügen sollte. Wie jede Branche hat auch die Lebensmittelindustrie spezielle Anforderungen an geeignete ERP-Software. Daher wollen wir uns an dieser Stelle einmal näher mit der Lebensmittelindustrie als Branche im Kontext des europäischen Marktes auseinandersetzen und wichtige Entwicklungen und Trends näher unter die Lupe nehmen. Denn diese nehmen großen Einfluss auf die Anforderungen, die Unternehmen dieser Branchenzugehörigkeit an eine geeignete ERP-Software haben.

ERP-Software: Ein Überblick

ERP-Software ist das Herzstück der unternehmenseigenen IT-Infrastruktur. Sie ist das zentrale Instrument zur Erfüllung der Geschäftsressourcenplanung. Moderne ERP-Software ist in der Lage, alle unternehmensrelevanten Prozesse zentral abzubilden. Innerhalb des Software lassen sich diese Prozesse dann verwalten, steuern, optimieren und in manchen Fällen sogar gänzlich automatisieren.

Die Vorteile einer geeigneten ERP-Software

Dies führt dazu, dass kostbare Ressourcen zielführender bzw. gewinnbringender eingesetzt werden. Auf diese Weise kann eine geeignete ERP-Software maßgeblich zum langfristigen Erfolg eines Unternehmens beitragen. Um dies jedoch zu gewährleisten, bedarf es dem Einsatz einer geeigneten, branchenspezifischen Software.

Die Lebensmittelindustrie in Europa

Doch was sind die konkreten Anforderungen der Lebensmittelindustrie?

Die europäische Lebensmittelbranche verzeichnet im Jahr 2020 voraussichtlich eines Jahresumsatz von 1.490.650 Mio. Euro. Bis 2025 soll diese Zahl laut Statista auf 1.601.628 Mio. € ansteigen. Das Marktvolum wächst demnach voraussichtlich mit einer CAGR (compounded annual growth rate) von 1,4 Prozent.

Demnach gibt der durchschnittliche Europäer jährlich ca. 1.757,94€ für Lebensmittel im Einzelhandel aus. Das wichtigste Marktsegment ist Statista zufolge mit einem Umsatzvolumen von 318.552 Mio. Euro Fleisch.

Wachsende Herausforderungen

Wie auch jede andere Branche muss sich die europäische Lebensmittelindustrie mit einer zunehmenden Globalisierung auseinandersetzen. Die Konkurrenz aus dem EU-Ausland ist groß und die Produktionskosten in nicht-EU-Staaten meist vergleichsweise klein.

Doch insbesondere die Lebensmittelindustrie hat eine womöglich noch größere Herausforderung vor sich: Die Aufgabe, bis zum Jahre 2050 eine Bevölkerung von neun Milliarden Menschen zu ernähren. Damit sich Unternehmen dieser Herausforderung stellen können, benötigen sie softwareseitige Unterstützung, die Wachstum fördert und zukunftsfähig ist.

1: Zukunftsfähigkeit

Doch was bedeutet zukunftsfähig in Bezug auf ERP-Software? Die wesentlichen Eigenschaften einer zukunftsfähigen Software sind

  • Skalierbarkeit
  • Internationale Einsetzbarkeit
  • Die Möglichkeit eines mobilen Zugangs
  • Releasefähigkeit
  • Erweiterbarkeit des Funktionsumfangs
  • Eine ganzheitliche Integration der Software-Landschaft

Nur ERP-Software, die all diese Kriterien erfüllt, ist in jedem Aspekt zukunftsfähig und kann Unternehmen bei ihrem Wachstum und zukünftigen Herausforderungen unterstützen.

Skalierbarkeit

Die Skalierbarkeit einer ERP-Software bezeichnet ihre Fähigkeit, sich den wachsenden Ansprüchen eines Unternehmens in Bezug auf die Leistung des Systems anzupassen. Hierbei geht es also um Flexibilität bei der Nutzeranzahl bzw. der benötigten Speicherkapazitäten.

Internationale Einsetzbarkeit

Im Zuge der Globalisierung ist es nicht unüblich, dass Unternehmen mit der Zeit mehrere Standorte in anderen Ländern eröffnen, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben. Um diese Standorte auf globaler Ebene mit einander zu vernetzen und einen lückenlosen Datenaustausch zu gewährleisten, ist eine internationale Einsetzbarkeit der ERP-Software Voraussetzung.

Die Möglichkeit eines mobilen Zugangs

Mobilität spielt in unserer schnelllebigen Zeit eine immer größere Rolle. Hierbei handelt es sich um ein Phänomen, was sowohl im privaten Bereich als auch branchenübergreifend in der Wirtschaft auftritt. Ein mobiler ERP-Zugang bringt diverse Vorteile mit sich und wird zukünftig voraussichtlich immer wichtiger werden.

Releasefähigkeit

Das Innovationspotenzial ist besonders in der IT- und Softwarewelt enorm hoch. Um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, sollten regelmäßig Updates zur Verfügung gestellt werden, die die Entwicklungen im Softwarebereich wiederspiegeln.

Erweiterbarkeit des Funktionsumfangs

Sowohl der Markt als auch einzelne Unternehmen entwickeln sich stetig weiter und passen sich neuen Gegebenheiten an. Demnach ist es von besonderer Relevanz, dass neue Funktionen sofern sie benötigt werden möglichst problemlos hinzugebucht werden können.

Eine ganzheitliche Integration der Software-Landschaft

Letztlich ist nur eine vollständig integrierte ERP-Software eine effiziente Software. Insellösungen schränken den lückenlosen Informationsaustausch erheblich ein und verringern die Effizienz von Prozessen erheblich. Insgesamt schätzen Experten, dass künftig eine zunehmende Vernetzung der gesamten Supply Chain in der Lebensmittelbranche zu erwarten ist.

So könnte es beispielsweise künftig möglich sein, die Produktionsplanung auf Grundlage von Echtzeit-Konsumentendaten durchzuführen.

2: MES – Manufacturing Execution System

Unternehmen der Lebensmittelindustrie sind produzierende Unternehmen. Unabhängig von der gefertigten Ware haben diese Unternehmen eines gemeinsam: Sie profitieren erheblich vom Einsatz eines sogenannten Manufacturing Execution Systems – kurz MES. Im Deutschen wird häufig synonym der Begriff „Produktionsleitsystem“ verwendet.

MES als Teil der ERP-Software

Dabei ist das MES nicht als separate Lösung sondern als wichtiger Bestandteil der ERP-Software zu verstehen. Hierbei handelt es sich in der Regel um ein mehrschichtiges Gesamtsystem, welches die die Produktion planenden und die betriebswirtschaftlich berichtenden Ebenen der Geschäftsressourcenplanung sowie den eigentlichen Produktionsprozess abdeckt.

Einfach ausgedrückt ermöglichen MES die Planung, Steuerung und Kontrolle der Produktion in Echtzeit. Dazu werden unter anderem Informationen aus

  • Maschinendatenerfassung
  • Betriebsdatenerfassung
  • Personaldatenerfassung

Hinzugezogen. Durch ein integriertes MES als Teil einer ganzheitlichen ERP-Software sind Unternehmen der Lebensmittelindustrie somit beispielsweise in der Lage, im Fall eines Zwischenfalls unmittelbar einzugreifen und Ausfallzeiten zu vermeiden.

3: Ein Integriertes Qualitätsmanagement (QM)

Unternehmen der Lebensmittelindustrie stehen unter großer Verantwortung. Internationale Standards wie ISO 9000 (Qualitätsanforderungen) oder ISO 22000 (Lebensmittelsicherheit) müssen zu jeder Zeit eingehalten werden. Hinzu kommt laut Lebensmittelverband ein zunehmendes Volumen an Auflagen. Diese beziehen sich in der Lebensmittelindustrie beispielsweise auf

  • Hygienevorschriften
  • Herkunftsabsicherung
  • Rückverfolgbarkeit

Aus diesem Grund ist ein entsprechendes Qualitätsmanagement zur betrieblichen Eigenkontrolle unabdingbar.

Prozesssicherheit und Qualität

Hinzu kommt, dass sich Unternehmen der Lebensmittelindustrie zwecks Kontrolle der Prozesssicherheit und Qualität laut Lebensmittelverband noch einer zweiten Kontrolle unterstellen. Durch die Vergabe von Marken-, Prüf- und Gütezeichen wie IFS (International Featured Standards) oder QS (Qualität und Sicherheit) wird die Sicherheit bzw. die Qualität der Lebensmittel gegenüber dem Verbraucher kommuniziert.

Um entsprechenden Anforderungen gerecht zu werden, ist ein in die ERP-Software integriertes Qualitätsmanagement-Modul daher unabdingbar.

Fazit: Eine ganzheitliche Komplettlösung für die Lebensmittelindustrie

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Lebensmittelindustrie wie auch jeder andere Sektor individuelle, branchenspezifische Anforderungen an eine geeignete ERP-Software hat. Nur durch das Vorhandensein branchenspezifischer Funktionen kann eine entsprechende Software Unternehmen der Lebensmittelindustrie langfristig und nachhaltig unterstützen.

Wichtig ist dabei vor allem, dass entsprechende Funktionen nicht im Rahmen von Insellösungen bereitstehen sondern als Teil einer ganzheitlich integrierten IT-Infrastruktur operieren.