Ein kurzer ERP-Software-Guide für Landwirte

Digitalisierung und Landwirtschaft klingt zunächst wie ein Widerspruch. Hartnäckig hält sich die Vorstellung vom Landwirt, der im Stall seine Tiere versorgt und bei jeder anfallenden Aufgabe selbst Hand anlegt. Die Vorstellung, ein Landwirt würde vor einem Bildschirm sitzend digital seinen Hof steuern scheint demnach nahezu absurd. Tatsächlich beschreibt gerade diese Situation jedoch die Zukunft. Aus diesem Grund wollen wir uns an dieser Stelle einmal näher mit dem Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft auseinandersetzen und aufzeigen, wie Landwirte bereits heute vom Einsatz einer geeigneten ERP-Software profitieren können.

Wie steht es um die Digitalisierung in der Landwirtschaft?

Landwirtschaft und Digitalisierung sind bereits seit Jahren kein Widerspruch mehr. Was bei dem kleinen, lokalen Bauern um die Ecke noch als utopische Vorstellung gilt, ist bei anderen Landwirten bereits zum Alltag geworden. Digitale Technologien sind an den unterschiedlichsten Stellen im Einsatz und erleichtern den Landwirten die Arbeit.

Digitalkompetenz zunehmend wichtig

Tatsächlich sind sich laut einer Umfrage des Branchenverbandes BitKom in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bauernverband mittlerweile zwei Drittel (67 Prozent) der Landwirte einig: Digitalkompetenz wird in Zukunft genauso wichtig sein wie soziale oder fachliche Kompetenz.

Besonders Jungbauern schätzen den Wert digitaler Unterstützung

Bei den Jungbauern bis 35 Jahre ist das Ergebnis noch einschlägiger: Hier sind ganze 84 Prozent davon überzeugt, dass digitale Kompetenzen zukünftig genauso wichtig sein werden wie andere Fähigkeiten.

Wie sieht Digitalisierung in der Landwirtschaft aus?

Doch wie kann man sich eine „digitalisierte Landwirtschaft“ konkret vorstellen? Letztlich handelt es sich doch um einen Beruf, der traditionell überwiegend von körperlicher Arbeit geprägt war?

Doch bereits seit einigen Jahren prägen zunehmende Automatisierungen und maschinelle Unterstützungen den Arbeitsablauf vieler Landwirte. Der heutige Größe und Leistung eines Traktors verglichen mit der eines 50 Jahre alten Modells ist dabei nur ein Bruchteil dessen, was möglich und schon heute zur Realität geworden ist.

Roboter, Drohnen und Sensoren

So stellen beispielsweise auch immer mehr kleinere Landwirte zunehmend auf Melkroboter um, um sich weiterhin am Markt behaupten zu können. Auch Drohnen zur Kartierung landwirtschaftlicher Flächen sind bereits heute im Einsatz. Sogar der Nährstoffbedarf einer Pflanze lässt sich mittlerweile präzise mittels Sensoren messen und kann von dort aus direkt an den Landwirt übermittelt werden. Die Digitalisierung erreicht also nicht schleppend die Landwirtschaft, sondert prägt sie bereits maßgeblich.

ERP-Software: Ein Überblick

Doch neben der Hardware, die weltweit Landwirte bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt, bedarf es auch eine Software zur Verwaltung dieser Technik.

Hierbei handelt es sich unabhängig von der jeweiligen Branche um ERP-Software. ERP ist ein Akronym und bezeichnet das Enterprise-Ressource-Planning. Im Deutschen spricht man häufig synonym von der Geschäftsressourcenplanung. Hierbei handelt es sich um die unternehmerische Aufgabe, mit der sich letztlich Unternehmen aller Art und demnach auch Landwirte auseinandersetzen müssen:

Geschäftsressourcenplanung für Landwirte

Alle geschäftsrelevanten Ressourcen zur richtigen Zeit an richtiger Stelle in richtiger Qualität und Quantität bereitzustellen. In Bezug auf die Landwirtschaft kann sich dies beispielsweise auf die Menge bzw. Konzentration eines bestimmten Herbizids für ein Feld mit einer bestimmten Hektaranzahl sowie den Zeitpunkt, zu dem dies gespritzt werden muss, beziehen.

5 Bereiche, in denen die Landwirtschaft digitalisiert

Die von einer geeigneten ERP-Software für die Landwirtschaft abzudeckenden Funktionen lassen sich in fünf grundlegende Aufgabenbereiche unterteilen, deren Bezeichnungen überwiegend aus dem englischen Sprachgebrauch übernommen wurden:

  • Farm Management
  • Agricultural Technology – AgTech
  • Robotik
  • Precision Farming
  • Sensorik

Im Folgenden werden diese Aufgabenbereiche im einzelnen erläutert.

1: Farm Management

Farm Management ist im Grunde genommen nichts anderes als eine in Gänze datengesteuerte Betriebsführung. Diese ist erforderlich, um Prozesse intelligent und zielgenau steuern zu können. Auch auf operativer Ebene stellen sich schnell diverse Vorteile ein: So erfolgt beispielsweise die Dokumentation digital und bei Einsatz einer adäquaten ERP-Software auch automatisiert.

Das digitale Farm Management mittels ERP-Software erfordert zunächst eine nicht zu unterschätzende Investition in Hardware, Software sowie die Schulung der Mitarbeiter. Jedoch handelt es sich hierbei um einen Schritt in Richtung Digitalisierung, der zunehmend entscheidend für das Fortbestehen vieler Landwirte ist. Wachstum und Zukunftsfähigkeit können heutzutage kaum noch ohne digitale Unterstützung nachhaltig gewährleistet werden – Dies ist auch insbesondere in der Landwirtschaft der Fall.

2: Agricultural Technology – AgTech

„Innovate or die“ – Ein Sprichwort, welches unsere Wirtschaft im Zeitalter der digitalen Transformation maßgeblich prägt. Die Reichweite dieses Sprichwortes erstreckt sich bis in die Landwirtschaft. In Bezug auf AgTech spielen hier vor allem zwei Faktoren eine Rolle: Effizienz und eine positive Ökobilanz.

Konkurrenzstarke Märkte mit einer immer geringeren Anzahl immer größer werdenden Betriebe zwingen Landwirte dazu, immer effizienter zu operieren. Im Zuge des wachsenden Bewusstseins für klimatechnische Faktoren und die Umwelt im Allgemeinen wird auch eine positive Ökobilanz insbesondere in der Landwirtschaft immer wichtiger. Nur allzu oft gerieten Landwirte aufgrund der Nitratbelastung des Grundwassers bereits ins Kreuzfeuer der Medien und somit auch der öffentlichen Aufmerksamkeit.

AgTec befasst sich demnach beispielsweise mit der Forschung bezüglich innovativer Futtermittel über Maßnahmen zur Erhöhung des Tierwohls sowie der Tiergesundheit bis hin zu der Erschließung neuer Absatzmärkte wie E-Commerce-Lösungen.

3: Robotik

Im Gegensatz zum sich zunehmend im Kommen befindenden Farm Management ist Robotik bereits ein fester Bestandteil der Landwirtschaft. Zum Einsatz kommt sie beispielsweise:

  • Bei der Tierfütterung
  • Bei der Reinigung
  • Bei der Qualitätskontrolle
  • Im Pflanzbereich (beim Säen)

Die eingesetzte Technik lässt sich dann wiederum mittels ERP-Software im Rahmen des Farm Managements zentral steuern.

4: Precision Farming

Precision Farming umfasst wiederum eine andere Teilmenge digitaler Verfahrenstechniken, die sich dann mittels geeigneter ERP-Software verwalten lassen. Konkret geht es hier um eine zielgerichtete und ortsdifferenzierte Bewirtschaften der Böden bzw. landwirtschaftlichen Nutzflächen. So zählt beispielsweise die Entnahme und Erfassung von Bodenproben zum Precision Farming.

Die Position der einzelnen Maschinen auf den Flurstücken wird genau erfasst und in der ERP-Software gespeichert. Die Bearbeitungsmaschinen erfassen dann relevante Kennwerte. Der Landwirt kann sie dann innerhalb der ERP-Software auswerten. Die Ergebnisse dienen ihm dann als Grundlage für eine zielführendere Bodenbewirtschaftung, die beispielsweise auch die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten innerhalb einer gesamten Fläche berücksichtigt.

5: Sensorik

Auch Sensorik spielt eine große Rolle bei der Digitalisierung in der Landwirtschaft und kann Landwirten anderenfalls aufwendige, manuelle Arbeit erleichtern. Der Fortschritt in der Sensorik macht es möglich, bedarfsgerecht kostspielige Ressourcen einzuplanen.

So ist es beispielsweise möglich, durch Sensoren im Boden dessen Temperatur und Feuchtigkeit zu bestimmen. Die Daten können dann wiederum zentral in der ERP-Software eingesehen werden.

Fazit: Die richtige ERP-Software für die Landwirte von heute – und morgen

Es lässt sich festhalten, dass die Landwirtschaft bereits heute maßgeblich von der Digitalisierung geprägt ist. In Zukunft wird sie vermutlich noch einen wesentlich höheren Stellenwert in diesem Sektor einnehmen.

Klar ist, dass Landwirte stark von der Digitalisierung bestimmter Prozesse sowie der Einführung einer zentralen ERP-Software profitieren können. Jedoch birgt sie auch ein Risiko: Stellen sich Landwirte gegen sie, laufen sie Gefahr, von der Konkurrenz überholt zu werden.

Ohne die Unterstützung digitaler Technologien ist es heutzutage kaum mehr möglich, in wettbewerbsstarken Märkten langfristig profitabel zu operieren.